Dammbach

Dammbach: alternative Fakten

Dammbach ist eines der typischen Straßendörfer des Spessart. Die Touristenbusse, die am Rohrbrunn von der Autobahn abfahren in Richtung Schloss Mespelbrunn, kommen als erstes zu diesem Ort. Am Ortseingang beginnt der Reiseleiter, seine Gäste einzustimmen. Er erzählt, dass das Gebiet heute noch Räuberland heißt.
Wenn früher eine Räuberbande gefasst wurde, seien die Hauptleute gehenkt worden. Das Fußvolk – Männer, Frauen und Kinder – sei auf Wagen geladen und in den Spessart gefahren worden. Alle 10 Meter sei dann eine Familie vom Wagen geworfen worden. Dort wo sie auf den Boden aufgeschlagen sind, mussten sie sich zur Strafe für ihre Räubereien für alle Zeiten ansiedeln. Mache Reiseleiter wissen noch genaueres: Die schlimmsten der Schlimmen, so erzählen sie, wurden nicht an der Straße, sondern tief im Wald ausgesetzt. So sind die Dammbacher Weiler Heppe, Oberschnorrhof und Geishöhe entstanden. Mit wohligem Grauen schauen die Reisenden aus den Busfenstern auf die Häuser und vereinzelt herumlaufenden Menschen…
Die Geschichte ist zwar historisch nicht ganz korrekt, aber doch gut erfunden.

Dammbach: Geschichte und Geschichten

In der Geschichte oben steckt aber doch ein Körnchen Wahrheit. Im 13 Jahrhundert rivalisierten die Grafen von Rieneck und das Bistum Mainz um die Vorherrschaft in der Gegend. Um die Grenzen zu sichern, wurden Siedlungen und im Maintal auch Städte gegründet. Meist immer 2 nebeneinander: Krausenbach von den Rieneckern und Wintersbach von den Mainzern. Ausschlaggebend waren also weder gute Böden noch eine günstige Verkehrslage. Das große Los hatten also die ersten Siedler nicht gezogen, zumal sie ja auch noch mühevoll den Wald roden mussten. Und die abseitige Lage ist auch heute noch ein Nachteil. Nicht so sehr für die Erwachsenen, die Homeoffice machen können. Umso mehr aber für Jugendliche, die weiterführende Schulen besuchen möchten.

Wer sich für das Alltagsleben der Menschen vor ca. 150 Jahren interessiert, findet am Ende dieser Seite noch einige spannende Informationen aus alten Zeitungen.

Dammbach: der Ort

Aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Wintersbach und Krausenbach entstand wohl ohne große Begeisterung 1976 ein gut 4 km langes Straßendorf: Dammbach. Das ist nicht der Rekord im Spessart: mit 6 km ist Leidersbach noch ein gutes Stück länger. Das Panoramabild zeigt die westliche Hälfte des Ortsteils Wintersbach vom Ortseingang bis zur Kirche. Wenn Sie das Panoramabild anklicken, öffnet sich über den gesamten Bildschirm ein neues Fenster. Hier kann man mit der Maus oder den Cursorsteuertasten in das Bild hineinzoomen bzw. sich darin bewegen.

Dammbach Wintersbach Panorama

Weitere Panoramen finden sie zusammengefasst hier.
Die Einwohnerzahl von Dammbach ist durch Flüchtlinge und Asylbewerber wieder etwas angestiegen und beträgt knapp 1900. Um diese angemessen zu verwalten, leistet sich Dammbach einen hauptamtlichen Bürgermeister bzw. derzeit eine Bürgermeisterin.

Dammbach: das neue Gemeindezentrum

Dammbach Gemeindezentrum
Dammbach – Das neue Gemeindezentrum

Das 1,5-Milionen-Projekt wurde 2012 auf Pump finanziert.

Das Bürgerzentrum ist ein Lehrstück darüber, wie sich ein Projekt verselbständigt, wenn ein ehrgeiziger und trickreicher Bürgermeister, ein überforderter Gemeinderat und eine willfährige Verwaltung zusammenarbeiten. Und die Berichte in der Presse wurden praktischerweise vom Leiter der Verwaltungsgemeinschaft höchst persönlich verfasst. Weitere Informationen unter www.a-f-dammbach.de.

Trotzdem: schön ist es geworden.

Dammbach: der Radweg

Eine der größten Attraktionen Dammbachs (Achtung: Ironie!) ist der neue Radweg im Ortsteil Wintersbach aus dem Jahr 2014. Er beginnt irgendwo an der Durchgangsstraße, führt erst parallel dazu und dann in einem großen Bogen über eine mittlere Anhöhe und endet nicht weit entfernt wieder an der Durchgangsstraße. Ca. 500.000 € hat das Teil gekostet. Der Freistaat Bayern hat davon ca. 400.000 € gezahlt, einen weiteren nennenswerten Betrag der Landkreis. Der zuständige CSU-Abgeordnete Winter (der mit dem Eichenzentrum!) hat das Geld kurz vor der Landtagswahl besorgt und ein Staatssekretär ist extra aus München angereist, um bei der Einweihung zu helfen. Weitere ausführliche Informationen finden Sie auf meiner Seite „Alternativen für Dammbach“.

Wenn der Dammbacher Ex-Bürgermeister Bauer auf Kritik an dem Radweg antwortete „Was wollen Sie denn, es war doch nicht unser Geld!“, so hatte er aus seiner Sicht recht. Solche Projekte zeigen sehr schön, dass der Staat mehr als genug Geld hat.

Dammbach: Güldnertreffen 2017

Alle 2 Jahre treffen sich in Dammbach Besitzer alter Güldner-Traktoren und sonstiger Güldner-Produkte. Die Fa. Güldner hat bis 1969 in Aschaffenburg Traktoren und Dieselmotoren von legendärer Qualität hergestellt. Organisiert wird das Treffen vom Musikverein Dammbachklänge Wintersbach.

Man kann echte Raritäten bewundern wie dieses 20 PS starke Gerät aus dem Jahr 1940:

Bei den Vorführungen sind absolute Könner am Werk. Hier werden 2 Baumstämme über einen aufgeschütteten Hügel bugsiert.

Scharstein und Waldkapelle oberhalb von Dammbach

Oberhalb von Dammbach liegt der Scharstein (ein leerer Bildstock) und ganz in dessen Nähe eine Waldkapelle.

Mauerreste und Podeste auf der Pollershöhe

Auf dem Weg zum Scharstein kommt man an der Pollershöhe vorbei. Dort gibt es unregelmäßig über den Hang verteilt eine Vielzahl von ehemaligen Podesten. Diese sind auch heute noch deutlich zu erkennen. Über ihre Nutzung gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Die häufigste Erklärung ist, dass dort Weinbau betrieben wurde. Ich würde noch eine 2. Theorie aufstellen: Vielleicht nicht Wein-, sondern Obstanbau. Durch die Terrassen erwärmt sich der Boden schneller und die Steine speichern die Wärme. Dadurch könnte die Ernte verfrüht oder Nachtfröste entschärft werden. Über den Podesten verläuft eine teils verfallene Wildmauer.

Dammbach: der Weiler Oberschnorrhof

Weil es Zuschüsse der EU gab, wurde am Oberschnorrhof ein barrierefreier Rundweg unter dem Motto „Nähe und Weite“ eingerichtet. Wie das gemeint ist, sieht man schön, wenn man auf der Bank in der letzten und größten Plattform sitzt: in der Nähe die schöne Sandsteinmauer und weit weg der Spessart.

Trotzdem: Das Gebiet um den Oberschnorrhof  mit seinen artenreichen Magerrasenflächen und der weiten Aussicht gehört zum schönsten Gebieten des Spessart und gut essen kann man in der dortigen Gaststätte auch.

Der Landwirt, der hier seine Felder bestellt, lässt auch der Natur noch ihren Raum (Anfang Juni 2018)

Auch Anfang November (2016) ist der Magerrasen – wenn er nicht kurz vorher gemulcht wurde – noch voller Blüten und Pilze:

Nur selten liegt mehrere Wochen lang eine geschlossene Schneedecke so wie im Januar 2017

Dammbach: der Weiler Geishöhe

Wahrzeichen der Geishöhe ist ein Aussichtsturm: der Ludwig-Keller-Turm.

Der Turm ist ein Beispiel für kreatives Geldausgeben: Die Nationalsozialisten schalteten ab 1933 alle Vereine gleich und konfiszierten auch deren Vermögen. Wenigstens letzteres wollte der damalige Spessartbund verhindern und suchte eine Möglichkeit, das vorhandene Geld schnellstmöglich auszugeben. Das Ergebnis kann man heute noch bewundern und besteigen.

Auf dem letzten Bild sieht man im Hintergrund eine wunderschöne Inversionsschicht. Unter ihr in der kalten Luft sammeln sich Staub und Abgase, darüber dann die saubere wärmere Luft.

Bei klarer Sicht sieht man im Hintergrund die Skyline von Frankfurt. Damit man sie auch auf dem Bild unten sehen kann, ist es besonders groß hinterlegt und wird auch so angezeigt.

Geishöhe Panorama Frankfurt
Panorama Frankfurt und Untermainebene, gesehen vom Keller-Turm aus

Zu den letzten beiden Bildern oben: Man kennt das vom Fernsehen: wenn der Bauer eine Frau sucht, dann räumt er vor deren erstem Besuch den Hof auf. All seine Schätze, die sie nicht sehen soll oder die sie stören könnten, lagert er dann irgendwo außer Sichtweite auf einem Acker in der freien Natur. Er darf das, so sagt er. Er sei ja schließlich ein privilegierter Bauer.

Das Dammbachtal mit den namensgebenden Dämmen

Der Dammbach fließt vom Rohrbrunn bis zu dem gleichnamigen Ort. Danach mündet er in die Elsava. Im Talgrund müht sich eine Rinderherde, das Tal offenzuhalten und eine Verbuschung zu verhindern.

Das Tal und damit auch die beiden Dämme aus der Zeit, als noch Brennholz in dem Bach getriftet wurde, ist kaum zugänglich. Der Bauer, dessen Rinderherde den Talgrund freihält, hat alles mit einem Elektrozaun abgegrenzt. Hier der größere der beiden Triftdämme:

Einige hundert Meter oberhalb liegt der kleinere der beiden Triftdämme:

Dammbach: Geschichte und Geschichten 2

Will man etwas über das Alltagsleben der Menschen früher erfahren, dann kann man in alten Tageszeitungen blättern. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts liegen diese teilweise in digitalisierter Form vor. Dabei fällt auf, dass über Wintersbach / Krausenbach im wesentlichen Gerichtsreportagen veröffentlicht werden. Vielleicht gab es ja über die beiden Orte nichts anderes zu berichten. Oder aber die damaligen Journalisten liebten die Bequemlichkeit: Es war halt einfach, über die Straße ins Gerichtsgebäude zu gehen und dort die Prozesse zu verfolgen. Ins abgelegene Wintersbach / Krausenbach zu fahren und dort zu recherchieren, war damals noch umständlicher als heute.

Im folgenden sind einige Kostproben von alten Zeitungsberichten. Die Rechtschreibung habe ich teilweise an die heutige angeglichen. Die Themen sind die gleichen wie heute auch noch: Gewaltanwendung, Gewaltandrohung erregen wohl die meiste Aufmerksamkeit. Beleidigungen und Nachbarschaftsstreitigkeiten werden häufig berichtet. Häufig sind auch Aufrufe zu Zwangsversteigerungen und zur Freigabe von Auswanderungswilligen.

Streit um überhängende Äste (siehe Nachbarstreit auf dem Oberschnorrhof) gibt es auch heute noch. Am letzten Freitag (11. 6. 2021) hat den Bundesgerichtshof entschieden, dass ein Nachbar überhängende Äste abschneiden darf, auch wenn die Gefahr besteht, dass der Baum dann abstirbt.

Schlimme Schlägerei in Krausenbacher Gastwirtschaft

Würzburg, 8. Juni, (Schwurgericht. 26.Fall. Kontumazialfall.) Anklage gegen Franz Brand, verh. Schuhmacher von Wintersbach, zuletzt wohnhaft in Krausenbach, wegen Verbrechens der Körperverletzung. Derselbe ist nämlich beschuldigt, daß er am 20. Aug. v. J., Nachts gegen 10 Uhr, in der Gastwirthschaft des Joseph Hartmann von Kransenbach gelegentlich eines, während der Tanzmusik zwischen Burschen von Krausenbach und Wintersbach entstandenen Wortwechsels, dem ledigen Wirtssohn Kaspar Eichelsbacher von Wintersbach rechtswidrig und mit überlegtem Entschlusse, als dieser an ihm vorüberging, mit einem stumpfen Instrument einen Schlag auf den Kopf versetzte, so daß er stark blutete, sodann, während Eichelsbacher im Hausgange sich auswaschen ließ, Brand aber zur Wirtschaft hinausgeschafft wurde, im Vorbeikommen an ersterem dessen Hand griff, ihm fest in den Mittelfinger biß und ihn so mit den Zähnen bis an die Haustüre zog, woselbst sich Eichelsbacher von ihm losmachte, endlich nachdem die Burschen, die denselben hinausgeschafft hatten, wieder zurückgekehrt, Eichelsbacher dagegen noch an der Hausthüre stehen geblieben war, unter den Worten: „Himmelsakrament, verrecken müsst ihr“ wieder die Haustreppe hinauf gegen Eichelsbacher zusprang und demselben mit einem Taschenmesser einen Stich in die linke Seite der Brust versetzte, in Folge welcher Verletzung Eichelsbacher nicht nur 26 Tage krank und arbeitsunfähig war, sondern auch ein bleibender Nachtheil an dessen Körper, nämlich eine starke Behinderung der Bewegung des Oberarmes nach oben und nach außen eintrat, während die Verletzung am Kopfe in 5 und jene am Mittelfingerin 7 Tagen heilte. Der Angeklagte, welcher einen äußerst getrübten Leumund hat und als gefährlich für Leib und Leben Anderer geschildert wird, erlitt bereits mehrfache Bestrafungen, insbesondere im August 1863 wegen vorsätzlicher Körperverletznng 3 Monate Gefängnis. Nach seinem ersten Verhöre will derselbe in Notwehr gehandelt haben. Nachdem Brand flüchtig wurde und derselbe bis jetzt nicht mehr zur Haft gebracht werden konnte, findet die Verhandlung ohne Zuziehung von Geschworenen statt.

Aus: Aschaffenburger Zeitung vom 9. Juni 1870, auch erschienen in Neue Würzburger Zeitung, Schweinfurter Anzeiger, Würzburger Journal und Beobachter am Main.

Bürgermeister Bauer ist beleidigt

Aschaffenburg, 5. Nov. (Oeffentliche Strafgerichtssitzung des Bezirksgerichts Aschaffenburg vom 23. bezw.31. Okt.) Pfarrvikar Adam Schmitt von Wintersbach, hatte gegen das Urteil des Landgerichts Rothenbuch vom 15. September ds. Js, wonach derselbe wegen Beleidigung des Bürgermeisters Bauer von Wintersbach in eine Geldstrafe von 1 Thaler, eventuell in eine Gefängnisstrafe von 1 Tag, sowie in die Kosten des Verfahrens verurtheilt worden war, Berufung ergriffen.Der Gerichtshof erachtete dieselbe als begründet und sprach den Pfarrvikar Schmitt von der Anschuldigung frei und verurtheilte den Kläger, Bürgermeister Bauer in die Kosten erster und zweiter Instanz.

aus: Aschaffenburger Zeitung 4. November 1875

Halb Wintersbach im Knast

(Öffentliche Strafgerichtssitzung des k. Bezirksgerichts Aschaffenburg vom 21. April) Joseh Bachmann, verheirateter Krämer, Alois Amrhein, Bauer und August Hirsch, ledig, sämtliche von Wintersbach, waren beschuldigt, am 20. August v. Js. vor dem k. Landgerichte Rothenbuch und am 18. Oktober v. Js, vor dem k. Bezirksgerichte dahier bei den öffentlichen Verhandlungen der Privatklagsache des Alois Spielmann von Wintersbach gegen Franz Bauer von dort wegen Beleidigung als klägerische Zeugen, nach Abnahme einer Versicherung an Eidesstatt, wissentlich falsch ausgesagt zu haben, wurden deshalb Jederderselben wegen zweier Vergehen der wissentlich falschen Versicherung in eine Gesammtgefängnißstrafe von 8 Monaten verurtheilt und zugleich der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von einemJahre verlustig erklärt.

Quelle: Aschaffenburger Zeitung vom 23. Februar 1867

Quelle: Aschaffenburger Zeitung vom 12. Februar1867

Nachbarstreit auf dem Oberschnorrhof

Quelle: Aschaffenburger Zeitung vom 5. 7. 1851

Zwangsversteigerungen

Bekanntmachung.„In Sachen des Kaufmannes Nathan Lindheimer in Hobbach, als betreibenden Gläubigers, vertreten durch den unterfertigten Anwalt gegen seinen Schuldner Oekonomen Heinrich Hofmann, wohnhaft in Wintersbach, werden mehrere in der Steuergemeinde Wintersbach gelegene Realitäten mit einem Gesammtflächeninhalt von beiläufig 24 Tagwerk 321 Dezimalen Wiese circa 1 Tagwerk Aecker, circa 12 Tagwerk Hecke und Oedung) durch den k. Notar Warg zu Rothenbuch am Donnerstag den 17. November Vormittags 9 Uhr,im Gemeindehause zu ?? dem öffentlichen Zwangsverstrich unterstellt, was ich mit dem Bemerken bekannt gebe, daß der Zuschlag sogleich endgültig erfolgt, weder Nachgebot noch Einlösungsrecht, noch Ablösungsrech stattfindet, die Realitäten im Ganzen zur Versteigerung gebracht werden und daß die nähere Beschreibung der zu versteigernden Realitäten, so wie die Versteigerungsbedingungen in der Kanzlei des zum Versteigerungsbeamten ernannten k. Notar Warg in Rothenbuch jederzeit eingesehen werden können. Aschaffenburg den 13. Oktober 1870.Rödel, Advokat.

Quelle: Aschaffenburger Zeitung vom 14. Oktober 1870

Quelle: Aschaffenburger Zeitung vom 3. Juni 1833

Quelle: Aschaffenburger Zeitung vom 4. 10. 1868

Auswanderung nach Amerika
Der Wintersbacher Nachtwächter hatte es nicht leicht

Öffentliche Strafgerichtssitzung des königlichen Bezirksgerichts Aschaffenburg vom 9. bzw 15 Juni 1877.

Anton Brand, Franz Joseph Brand, Johann Franz Brößler und Kilian Brößler, alle von Wintersbach, waren beschuldigt, in der Nacht vom 22. auf 23. Oktober vorigen Jahres Nachts um 12 und um 2 Uhr zu Wintersbach den verpflichteten Nachtwächter Moriz Weis während seiner rechtsmäßigen Amtsausübung tätlich angegriffen zu haben. Er hatte sie auf die Polizeistunde hingewiesen und auf der Straße um Ruhe gebeten. Anton Brand beschimpfte ihn durch unflätige Redensarten und stellte ihm ein Bein. Dann packten ihn alle 4 gemeinschaftlich an, würgten ihn und zogen ihm die Jacke über den Kopf.

Nach dem heute verkündeten Urteil wurde Anton und Franz Joseph Brand von der Anschuldigung eines Vergehens des Widerstandes freigesprochen. Johann Franz und Kilian Brößler wurden wegen des Vergehens des Widerstandes gegen die Staatsgewalt, verübt unter mildernden Umständen, zu einer Gefängnisstrafe von 8 Tagen verurteilt.

Quelle: Intelligenzblatt 18. Juni 1877

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