Der Spessart

Spessartbilder.eu stellt mit über 2000 hochwertigen Bildern und kurzen motivierenden Texten viele Orte im Spessart und seinen Randgebieten vor. Keine andere Seite im Internet bietet vergleichbares. Die Bilder und Texte bieten jede Menge Anregungen für Reisen und Ausflüge in den Spessart.

Störche in Kleinostheim

Neu bei den Spessartbildern

Am 30. März habe ich die Störche in Kleinostheim mit der Kamera besucht. Fast alle der aufgestellten Nisthilfen sind schon wieder besetzt. Die Bilder habe ich bei „Tiere im Spessart“ eingestellt (hier der Link).

Überarbeitet bzw. neu eingestellt wurden die Seiten zu den Wallfahrtsorten Hessenthal und Kälberau. Zwischen beiden gibt es verblüffende Ähnlichkeiten. Beidemal wurde im 14. Jhd. in einem Busch eine Marienfigur gefunden, die Wunder bewirken konnte. Es entwickelte sich eine in jeder Hinsicht erfolgreiche Wallfahrt. Die Kapellen mit dem Gnadenbild wurden zu Wehrkirchen ausgebaut. In den 1950er Jahren wurden die vorhandenen Kirchen durch eine moderne Erweiterung von Dombaumeister Hans Schädel ergänzt.

Der Spessart – Überblick

Höchster Berg im Spessart
Gipfelkreuz des Geiersberges

Der Spessart ist ein Mittelgebirge zwischen Odenwald und Rhön. „Kinzig, Sinn und Main rahmen den Spessart ein“ sagt ein alter Merkspruch. Eigentlich ist der Spessart recht unspektakulär. Es gibt keine schroffen Felsen, tiefe Schluchten oder kantige Gipfel mit grandiosen Aussichten. Die höchste Stelle, der Geiersberg, ist gerade einmal 586 m hoch und von der ehemaligen B8 aus bequem auch mit einem Krankenfahrstuhl erreichbar. Zum Vergleich: Für München wird eine Höhenlage von 519 m angegeben, In der benachbarten Rhön hat der höchste Berg, die Wasserkuppe, schon 950 m. Im Jahre 1852 beschreibt Rudolf Virchow (s.u.) den Spessart so: „Wenn man von erhabenen Punkten aus das Land überblickt, so sieht man fast nur ein mäßiges Hügelland vor sich ausgebreitet, dessen sanft abgerundete Kuppen ziemlich dicht beieinanderstehen und das auf und ab mit dem schönsten Laubwald überdeckt ist. …. Im ganzen Gebiete des Spessart liegt keine einzige Stadt; nur Dörfer von zum Teil ziemlich bedeutender Größe, halb versteckt in den Tälern und Gründen der Waldbäche, unterbrechen in weiten Abständen diese große Waldeinsamkeit.“

Der Spessart wird in weiten Teilen vom roten Buntsandstein geprägt. Repräsentative Bauten wie das Aschaffenburger Schloss, viele alte Rathäuser und Brücken sind aus ihm gebaut. Natürlich gibt es Ausnahmen: Der Vorspessart im Nordwesten besteht aus Granit und Gneis. Vereinzelt sind noch kleinere Reste von Kalkstein übriggeblieben und an verschiedenen Stellen sind Vulkane entstanden, von denen heute der Basaltschlot übriggeblieben ist.

Spessart-Räuber, Wilderer und Schneewittchen

Fragt man einen Besucher, woran er bei dem Namen „Spessart“ denkt, wird er mit Sicherheit Spessarträuber, Schoss Mespelbrunn, Wilderer und Spessarteichen nennen. Der Film „Das Wirtshaus im Spessart“ aus dem Jahr 1958 hat ganze Arbeit geleistet und das Bild ganzer Generationen vom Spessart nachhaltig geprägt.

Spessart: Schloss Mespelbrunn
Schloss Mespelbrunn

Schloss Mespelbrunn, das in dem Film eine zentrale Rolle spielt, ist der einzige Hotspot im Inneren des Spessart. Hier drängen sich im Sommer die Besuchergruppen. In Coronazeiten sollte man an solchen Orten vorsichtig sein. Ansonsten verteilen sich die Besucher gleichmäßig über die vielen Wanderwege. In den letzten Jahren konnte man unter der Woche bei bestem Wetter stundenlang unterwegs sein, ohne auf andere Besucher zu stoßen. Auch an eigentlich attraktiven Zielen wie dem Wiesbüttmoor, dem NSG Rohrberg oder im Hafenlohrtal.

Das Spessarträuberland

Eine ganze Region nennt sich heute offiziell Räuberland. Eigentlich sollte sie Spessarträuberland heißen, aber ein Schnapsfabrikant hatte sich den Namen Spessarträuber schon vorher gesichert und dann verhindert, dass es ein Spessarträuberland gibt. Trotzdem: ganze Dörfer berufen sich darauf, dass ihre Vorfahren dieses ehrenwerte Gewerbe ausgeübt haben. Genauso wie manch ein Dorfbürgermeister, der mit dem offiziellen deutschen Recht seine Probleme hat und sich dann am liebsten auf seine Abstammung und das für ihn geltende Spessartrecht berufen möchte (siehe dazu meine Spezialseite über Dammbach).

Spessart-Wilderer Hasenstab
Denkmal für den Spessart-Wilderer Hasenstab in Rothenbuch

Wilderer im Spessart

Ein ähnliches Phänomen ist der Erzwilderer Johann Adam Hasenstab, der am 3. Juni 1773 von dem Jäger Johann Sator erschossen wurde. Sein Andenken wird heute noch im Spessart gepflegt. Ein Gedenkkreuz steht an der Stelle, an der er erschossen wurde. Um dem Jäger zu zeigen, was man von ihm hält, wurden Hunde im Spessart oft Sator genannt. Erst 2018 wurde ihm in seinem Geburtsort Rothenbuch ein neues Denkmal gesetzt.

Schneewittchen aus Lohr am Main

Und dann noch Schneewittchen in Lohr am Main: Früher warb der Ort mit dem Slogan „Lohr, das Spessarttor“. Heute glaubt man fest daran, dass Schneewittchen im Lohrer Schloss als Prinzessin gelebt hat und bei kleinwüchsigen Bergleuten in Bieber im Spessart Zuflucht vor der bösen Stiefmutter gefunden hat. Daher jetzt der Zusatz Schneewittchenstadt. Ein genialer Marketing-Gag war es, als die Stadt für teures Geld eine merkwürdige Schneewittchen-Figur fertigen und vor der neuen Stadthalle aufstellen ließ. Über die Grenzen Deutschlands hinaus berichteten Medien vom Lohrer „Horrorwittchen“ und machten damit Werbung für Lohr.

Zurück zu den Fakten

Im südlichen Teil des Spessart liegt das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands mit den berühmten Spessarteichen. Im Mittelalter war hier königlicher Bannwald. Nur der König und seine Gefolgschaft durften hier jagen bzw. das Holz nutzen. Später ging das Jagdrecht auf die Landesherren über. Heute ist hier großflächiger Adelsbesitz bzw. bayerischer Staatsfort. Das NSG Rohrberg ist das älteste Bayerische Naturschutzgebiet. Hier wurden mächtige  Spessarteichen unter Naturschutz gestellt. Heute liegen sie größtenteils als – immer noch beeindruckende – Relikte am Boden. Man kann hier lernen: Eichenwälder gibt es im Spessart nur, wenn sie der Mensch pflanzt und pflegt.

Die dünne Besiedelung des Spessart kam sicher den Räubern und Wilderern zugute. Genauso wie die Zersplitterung in viele kleine Herrschaftsbereiche. Hatte man auf der Flucht die nächste Grenze überschritten, war man in Sicherheit. Auch die Existenz der vielen Klein- und Kleinststädte im Maintal ist auf diese territoriale Zersplitterung zugückzuführen.

Landwirtschaft im Spessart war wohl nie sonderlich ertragreich. Mit großer Mühe wurden früher die Wiesentäler überall mit Bewässerungsanlagen ausgestattet, um mehrere Heuernten im Jahr zu erzielen. Viele dieser Wiesentäler stehen heute unter Naturschutz. Insgesamt gibt es im Spessart ca. 90 Naturschutzgebiete.

Vor 300 Jahren war der Spessart eine blühende Industrielandschaft. Große Glashütten mit eigenen Wohnsiedlungen, die modernsten Eisenhämmer ihrer Zeit, Mühlen und etwas Erzbergbau bestimmten die Wirtschaft. 100 Jahre später war dann von dieser Herrlichkeit nicht mehr viel übrig: Dampfmaschinen machten die Wasserkraft überflüssig und die Industriestandorte lagen nicht mehr in den engen Spessarttälern, sondern im weiträumigen und ebenen Vorland entlang der neu entstandenen Eisenbahnstrecken. Es begann im Spessart eine Zeit des Niederganges, die erst in den 1950er Jahren endete.

Die Noth im Spessart

Als im Jahre 1851 im Spessart Typhusfälle auftraten, wurde der Würzburger Pathologe und Universitätsprofessor Rudolf Virchow von der bayerischen Regierung beauftragt, die Lage im Spessart zu untersuchen. Im Jahr 1852 reiste er 2 Wochen lang durch den Spessart und verfasste dann unter dem Titel „Die Noth im Spessart“ einen ausführlichen Bericht. Er ist auch heute noch lesenswert.

Die Wohnsituation im Spessart 1852

Über die Wohnsituation der Spessartbewohner schreibt er: „Wohin man kommt, sieht man im Spessart relativ kleine Häuser, die über einem meist ganz überirdischen Keller ein einziges Wohnzimmer mit engem Kämmerlein und eine kleine Küche enthalten. Man steigt über eine steinerne Treppe zu einem kleinen Vorplatz herauf, der geradeaus in die Küche, an einer oder auch zu beiden Seiten in die Wohnzimmer, nach oben auf den Vorratsboden führt. Unter dem selben Dach erscheint häufig auch der Viehstall und die Scheune. Es fehlt noch der Schornstein, und der Rauch strömt von der Küche gewöhnlich durch den Vorplatz und durch die in der Mitte quer geteilte Tür zum Haus hinaus, indem er natürlich alle inneren Räume mit durchtränkt.

Im Inneren einer solchen Wohnung haust eine fast immer sehr zahlreiche und mit Kindern gesegnete Familie. Zuweilen sind mehrere Generationen gleichzeitig, zuweilen auch mehrere fremde Familien zusammen darin vorhanden. Insbesondere häufig ist es aber, dass Seiten-Verwandte mit Kindern zugleich dieselben Räume mit bewohnen. Die meist sehr schmutzigen und wo es möglich ist, dicken und heißen Betten stehen in geringer Zahl sowohl im Zimmer selbst als in dem oft dunkeln und dumpfen Kämmerchen, sodass es gewöhnlich ist, wenn 2-3 Personen, selbst von verschiedenen Geschlechtern, in demselben Bett schlafen.“

Immoralität der Spessartbewohner

Die Wohnverhältnisse führen „nicht selten zur äußersten geschlechtlichen Immoralität“. Er führt dafür verschiedene Beispiele an: „Das äußerste, was wir erfuhren, war die Erzählung welche uns ein Gemeindevorstand von einem Manne mitteilte, der im öffentlichen Wirtshause von einem seiner Brüder gesagt hatte, er sei eigentlich sein Schwager, weil er (der Bruder) ihre Schwester beschlafen habe, und von einem anderen Bruder, derselbe sei auch sein Schwager, weil sie beide dasselbe Mädchen gebraucht hatten.“

Ein Lob auf die Frauen im Spessart

Rudolf Virchow findet aber nicht nur negatives im Spessart. Er schreibt: „…. namentlich das weibliche Geschlecht zeichnet sich durch größere Frische und angenehmere Form vorteilhaft vor dem fränkischen Frauen aus.“ Mit fränkischen Frauen meint er wohl die aus dem Würzburger Raum. Und mit Frauenkörpern kannte er sich auch aus; er war schließlich kein Amateur sondern Professor für Pathologische Anatomie an der Universität Würzburg.

Die Entwicklung des Spessart nach 1950

Zwei Ereignisse sorgten nach 1950 für einen starken Entwicklungsschub: Der Bau der Spessartautobahn, wobei über Jahre hinweg viele Arbeitsplätze entstanden. Mit dem verdienten Geld wurden dann aus billigen Zementsteinen nicht schöne, aber große Häuser gebaut. Und der Film „das Wirtshaus im Spessart“, der ein romantisch verklärtes Spessartbild weit über die Grenzen Deutschlands hinaus verbreitete und den Spessarttourismus stark ankurbelte. Überall wurden in den neu gebauten Häusern Pensionen eingerichtet. Sie boten den Frauen eine eigenständige Verdienstmöglichkeit.

Die Mentalität der Spessartbewohner lernt man auf (für Außenstehnede) amüsante Art kennen, wenn man sich etwas Einblick in die Lokalpolitik verschafft. Meine Seite www.a-f-dammbach.de/bauer/ kann ich dazu nur empfehlen. Der vollständige Name ist Alternativen für Dammbach. Mit der AfD hat die Seiten nichts zu tun.